Artikel Murnauer Tagblatt

Die Herausforderung ihres Lebens

Ohlstadt – Tragisches Schicksal: Daniel Hanawitsch (15) aus Ohlstadt ist schwer krank. Die Familie braucht auch finanzielle Hilfe. Dafür startet Extremläufer Christian Scheuerer in sein härtestes Abenteuer…

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2012 Münchner Merkur – Murnauer Tagblatt, mit freundlicher Genehmigung

Beide stehen vor riesigen Hürden, werden sich selbst alles abverlangen. Daniel Hanawitsch (15) aus Ohlstadt, der von Geburt an körperlich und geistig behindert ist, bleibt dabei keine Wahl. Für ihn geht es in letzter Konsequenz ums Überleben. Christian Scheuerer (45), Inbegriff des fitten Extremläufers, stellt sich seiner Herausforderung aus freien Stücken.

Er startet im Februar 2013 über die 430 Meilen des Yukon Arctic Ultra in Nordkanada, dem härtesten Ultrarennen der Welt: vor allem für Daniel. Scheuerer, der ebenfalls in Ohlstadt wohnt, nutzt seinen spektakulären Start, um Spenden für die befreundete Familie Hanawitsch zu sammeln.

Diese ist nach einem weiteren Schicksalsschlag an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen:Daniel erlitt im Sommer ein totales Nierenversagen, konnte gerade noch gerettet werden. Nun steht ihm vermutlich im Frühjahr 2013 eine Transplantation bevor. Karin Hanawitsch (41) will ihrem Sohn eine Niere spenden.

Das Organversagen war für die Familie ein Schock. Er sei „in ein Loch gefallen“, erklärt Vater Hermann Hanawitsch (44). „Als das rauskam, war es, als wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen würde.“ Die Eltern und Daniels Schwester Rebecca (17) hatten sich ihr Leben mit dem behinderten Buben, der im Rollstuhl sitzt, eingerichtet, „es hat ganz gut funktioniert“, sagt Karin Hanawitsch.

Damit ist Schluss: Die Nierenerkrankung lässt Daniel schnell ermüden, raubt ihm Kraft. Medikamente und teilweise Flüssigkeit erhält er über eine Magensonde durch die Bauchdecke. Zudem muss Daniel strenge Diät halten. Die dunklen Ringe unter den Augen der Eltern sprechen Bände.

Mama Karin bemerkte früh nach der Geburt, dass „es bei Daniel anders läuft“ als bei seiner Schwester Rebecca. Die Ursache der körperlichen und geistigen Behinderung des Buben hatte damals noch keinen Namen. Nach seinem Nierenversagen erhärtete sich der Verdacht, dass Daniel wohl am seltenen Joubert-Syndrom leidet, ausgelöst durch eine Genmutation.

Und nun wartet auch noch die Transplantation. Karin Hanawitsch will ihrem Sohn damit mehr Lebensqualität ermöglichen. „Wir haben uns relativ zügig dafür entschieden.“ In der belastenden Situation können die Hanawitschs jedoch den dringend nötigen behindertengerechten Umbau des engen Badezimmers nicht mehr stemmen. Der war bereits 2011 geplant gewesen – doch dann wurde der umgerüstete VW-Bus gestohlen. Der Umbau wurde verschoben. Nun drängt die Zeit.

„Es gibt mehrere ,Baustellen‘“, sagt Scheuerer. Der Chef der Bergwacht-Bereitschaft Ohlstadt nimmt sich zunächst die wichtigste vor: den Badumbau. Dafür legt er zu Fuß die 430 Meilen bei widrigsten Bedingungen und Temperaturen von zum Teil weit unter minus 30 Grad zurück, verkauft symbolisch Kilometer, sammelt Spenden – Geld ebenso wie Material oder Arbeitskraft. Schon jetzt verzeichnet Scheuerer „eine unglaubliche Resonanz“. Der Familienvater und erfahrene Ultramarathon-Läufer schöpft aus der Hilfe für Daniel „absolut Motivation“ für seine Herausforderung.sein „mit Abstand“ extremstes Laufabenteuer. Doch er weiß: Daniel und seiner Familie steht „eine unvergleichlich größere Aufgabe bevor“.

Silke Jandretzki

Mit freundlicher Genehmigung vom Murnauer Tagblatt

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